Die RA 1 untersucht, wie sich Verflechtung und Entkopplung von Akteuren, Institutionen und räumlichen Phänomenen unter Globalisierungsbedingungen wandel(te)n, wie diese Prozesse Raumformate hervorbringen und zu Raumordnungen integrieren und damit die neuere Globalgeschichte als andauernde Dialektik von De- und Reterritorialisierungen verstanden werden kann.

Die RA 2 rückt den historischen Wandel der Gründe, Mechanismen und Legitimierungsstrategien für den Zusammenhalt auf der Ebene einzelner Gesellschaften und in grenzüberschreitenden Konfigurationen sowie die Formierung jener politischen Akteure in den Mittelpunkt, die als Reaktion auf neue globale Dynamiken entstehen. Dabei gilt besondere Aufmerksamkeit einerseits der (rechts-)populistischen Herausforderung einer liberalen Ordnung und andererseits der Formierung eines transnational organisierten Kosmopolitismus sowie der daraus entspringenden Neuverhandlung von Konzepten der Souveränität unter Globalisierungsbedingungen. Diese Auseinandersetzungen haben tiefgehende Folgen für die Dialektik von Zusammenhalt und Individualisierung in den Gegenwartsgesellschaften, die sich in neuen cleavages und neuen Fragmentierungen niederschlagen, aber auch neue Debatten über Rassismus und die postcolonial condition hervortreiben, die empirisch in einem internationalen Vergleich untersucht werden.

Die RA 2 analysiert den Zusammenhang von Inklusion bzw. Exklusion in einzelnen Gesellschaften und Wandlungen globaler Ungleichheiten einerseits mit Prozessen der Solidarisierung bzw. Entsolidarisierung bzw. exklusiven Solidarisierung in einem historischen Moment, in dem Forderungen nach der Formierung einer globalen Agency zur Bewältigung der Herausforderung des Anthropozäns lauter werden.

Wichtiger Teil der RA ist das Leipziger Teilinstitut des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ), in dem sozial-, kultur-, regional- und geschichtswissenschaftliche Zugänge kombiniert werden, um den sich wandelnden Grundlagen gesellschaftlichen Zusammenhalts im regionalen, nationalen, europäischen und weltweiten Vergleich auf die Spur zu kommen. Angedockt an die Forschungen des FGZ ist eine bundesweite Großstudie zu Rassismus in deutschen Institutionen (InRa), die ebenfalls mit einer Vielzahl von Forschungsprojekten in der Research Area 2 vertreten ist. Einen regionalen Schwerpunkt setzt das Else-Frenkel-Brunswik-Institut, das demokratiefeindliche Einstellungen, Strukturen und Bestrebungen in Sachsen dokumentiert und untersucht und auf dieser Expertise aufbauend die Zivilgesellschaft und Politik berät. Mit dem Jean Monnet Centre of Excellence richtet sich der Blick der RA auch auf die Europäische Union und ihre ländliche Peripherie in Ostmitteleuropa, wo es Einstellungen, Praktiken und Potenziale der EU-Bürgerschaft in der Peripherie interdisziplinär und vergleichend analysiert.

Forschungsverbünde und -projekte der Research Area 2

Das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) ist ein seit 2020 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Institut, das in zehn verschiedenen Bundesländern angesiedelt ist und dadurch auch die regionale Vielfalt gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland in den Blick nimmt. Am Standort Leipzig untersucht eine interdisziplinäre Forschungsgruppe aus etwa 20 Wissenschaftler:innen in 14 Projekten die Vielfalt populistischer Bewegungen und Regimes sowie ihre Akzeptanz in den Bevölkerungen seit dem späten 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

WEITERE INFORMATIONEN

Die InRa-Studie ist ein vom Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) geförderter Forschungsverbund innerhalb des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ), der an acht Standorten und 23 Teilprojekten Rassismus in Institutionen untersucht. Geschäftsführender Standort der Studie ist Leipzig. Dabei betrachten die Forschenden sowohl unterschiedliche Verständnisse von Rassismus sowie dessen historischen Tradierung als auch ganz konkret, wie sich Rassismen im Handeln von Institutionen niederschlagen.

WEITERE INFORMATIONEN

Das Else-Frenkel-Brunswik-Institut (EFBI) ist eine Dokumentations- und Forschungsstelle zur Analyse und Bewertung antidemokratischer und menschenfeindlicher Tendenzen. Sie bildet eine Forschungsinfrastruktur in Sachsen, die auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden Forschungsdesiderate über demokratiefeindliche Einstellungen, Strukturen und Bestrebungen bestimmt und über Dokumentationen und Untersuchungen diese Wissenslücken schließt. Im Vordergrund stehen dabei verschiedene Formen der Diskriminierung, die Strategien und Dynamiken rechts-autoritär motivierter Bündnisse und die Stärkung demokratischer Politik. Das EFBI wird seit 2020 vom Land Sachsen gefördert.

WEITERE INFORMATIONEN

Jean Monnet Centre of Excellence "Die Europäische Union und ihre ländliche Peripherie in Ostmitteleuropa"

Das Jean Monnet Centre of Excellence (JMCoE) "Die Europäische Union und ihre ländliche Peripherie in Ostmitteleuropa" soll die Beteiligung am demokratischen Leben in der EU und eine aktive Unionsbürgerschaft fördern. Das Zentrum trägt dazu bei, Lücken der EU-Forschung zu füllen, indem es die Einstellungen, Praktiken und Potenziale der EU-Bürgerschaft in der Peripherie interdisziplinär analysiert und dabei neue Methoden, Instrumente und Ansätze nutzt. Es setzt mit einem Fokus auf jungen Menschen bei der Gesellschaft auf der lokalen und regionalen Ebene in ländlichen Räumen Ostmitteleuropas an. Das JMCoE wird seit 2020 von der Europäischen Union gefördert.

WEITERE INFORMATIONEN

Leitungsteam

Prof. Dr. Gert Pickel

Prof. Dr. Gert Pickel

Ko-Sprecher der Research Area 2

Religions- und Kirchensoziologie
Institutsgebäude
Beethovenstraße 25, Raum 209
04107 Leipzig

Telefon: +49 341 97-35460

Prof. Dr. Oliver Decker

Prof. Dr. Oliver Decker

Leipzig Research Centre Global Dynamics (ReCentGlobe)
Wünschmanns Hof
Dittrichring 18-20
04109 Leipzig

Telefax: +49 341 97-37781

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Christine Tonscheidt

Koordinatorin der Research Area 2

Leipzig Research Centre Global Dynamics (ReCentGlobe)
Strohsackpassage
Nikolaistraße 10, Raum 5.29
04109 Leipzig

Telefon: +49 341 97-37882