Das Transfer Lab trägt der immens gewachsenen Rolle des Wissenstransfers im Rahmen der folgenden Schwerpunkte Rechnung:

  • Politikberatung für deutsche Ministerien ebenso wie für internationale Organisationen,
  • Aus- und Weiterbildungsangebote für gesellschaftliche und ökonomische Akteure insbesondere in Afrika, Asien und Lateinamerika, etwa durch Beratung und Coaching von Start-ups sowie Klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) in Internationalisierungsprozessen,
  • Neue Formate der partizipativen Forschung durch regelmäßige Fokus-Gesprächsgruppen im Foyer des Global Hub zu Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts und eine systematische Zusammenarbeit mit lokalen und überregionalen Medien,
  • Austausch mit der Stadtgesellschaft und lokalen Wirtschaft über die Positionierung gegenüber globalen Dynamiken und Herausforderungen. Dies wird durch die Einrichtung der Bundesstiftung Forum Recht in unmittelbarer Nachbarschaft des Global Hub unterstützt.

Das Transfer Lab ist mit der Gesamtstrategie der UL zum Wissens- und Technologietransfer eng verbunden und übernimmt eine Pionierrolle für die gesamten Geistes- und Sozialwissenschaften, für die es einen International Start-up Campus im Rahmen des mitteldeutschen Unibundes (mit einer Förderung von 4,0 Mio. EUR (2020-2024) durch das BMWi) einwerben konnte.

Zum Transfer Lab gehört auch eine Abteilung Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, deren Aufgabe die Entwicklung neuer Formate mit internationaler Strahlkraft ist. Dazu gehören z.B. das jährliche Global Hub Wissenschaftsfestival (erstmals 2021 mit Unterstützung des BMBF) oder das Born-Global Festival im Rahmen des International Start-up Campus, aber auch der Aufbau eines digitalen Wissenschaftsportals in Zusammenarbeit mit dem Fachverband CrossArea, in dem das Forschungsprogramm des Global Hub einschließlich seiner internationalen Partnerschaften zentral abgebildet wird. Über dieses Portal bietet der Global Hub Wissen (in Form von Blogs, Sozialen Medien, Videos, Podcasts, Open Educational Resources usw.) zu aktuellen Krisenherden, längerfristigen globalen Dynamiken und dem Zusammenhang von transregionalen und lokalen Entwicklungen. Das Portal dokumentiert den für den Global Hub essentiellen Dialog auf Augenhöhe mit Forschenden aus anderen Weltregionen. Zugleich unterbreitet es lokalen und überregionalen Medien ein permanentes Angebot zur kompetenten Interpretation internationaler Entwicklungen. Das Transfer Lab funktioniert als Membran zwischen Forschungsprogramm und partizipativer Wissensgenerierung und organisiert die Aktivitäten im Foyer des Forschungsbaus zur Beteiligung von Vertreter_innen aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft an der Wissensproduktion des Global Hub.

Das Transfer Lab ist aber zugleich Ort einer bereits gut etablierten Transferforschung und vor allem der reflexiven Analyse von Konzepten globaler Wissensgesellschaften und -ökonomien. Der Aufstieg von „Wissensgesellschaften“, der zunächst im 20. Jh. mit Teilen Europas und Nordamerika identifiziert wurde und seitdem auch in Asien und anderen Regionen beobachtet wird, führte zur Verknüpfung des Konzeptes „Wissensgesellschaft“ mit erfolgreichen sozialen und wirtschaftlichen Transitionen zu industriellen und insbesondere postindustriellen Volkswirtschaften. Mit dem Globalismus der 1990er Jahre wurde die Vorstellung einer globalen Wissensgesellschaft populär, die eine klare Hierarchie aufweist, aber gleichzeitig die Chancen des Aufholens für Länder des Globalen Südens zu verbessern verspricht. Diese implizit diffusionistische Perspektive ist politisch und wissenschaftlich überholt. Im Transfer Lab geht es im direkten Zusammenwirken mit KMUs in Asien, Afrika und Zentralamerika um die Frage, ob diese seit den 1990er Jahren entwickelte Strategie in der neuen Phase der Global Condition und der damit einhergehenden Neuverräumlichung (Verkürzung von Lieferketten, wachsende Aufmerksamkeit für die Resilienz nationaler Ökonomien, Bemühungen um Entkopplung etwa im Bereich avancierter IT-Technologien) weiter erfolgversprechend ist oder an die sich ändernden Bedingungen angepasst werden muss.

Das Lab führt an den praktischen Erfordernissen von Branchen und einzelnen Unternehmen ausgerichtete Projekte zur Verbesserung der Faktorenbündel durch, die es Start-ups sowie KMUs in sich entwickelnden Ökonomien erlauben, werthaltigere Abschnitte der Wertschöpfungskette zu übernehmen. Dies verbindet sich mit Forschungen zu Exportstrategien mitteldeutscher Start-ups und Unternehmen in diese Länder. Diese Fragestellung verbindet das Transfer Lab mit wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten etwa in West-, Zentral- und Ostafrika sowie in China, Vietnam und Lateinamerika. Hierfür wird kontinuierlich eine diversifizierte Förderung durch den DAAD und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit eingeworben, darunter für ein DAAD-Exzellenzzentrum im Rahmen des Programms „Hochschulexzellenz in der Entwicklungszusammenarbeit“. Mit dem African Centre for Career Enhancement & Skills Support (ACCESS, mit einer DAAD-Finanzierung von 3,3 Mio. €) wird ein verbesserter Zugang zum Arbeitsmarkt für afrikanische Hochschulabsolvent_innen geebnet, der sich auf gemeinsame Forschungen mit sechs Hochschulen aus Benin, Ghana, Kenia, Nigeria, Ruanda und Tunesien sowie eine enge Kooperation mit der lokalen Wirtschaft stützt. Hieran schließt eine vom BMEZ geförderte Untersuchung der Arbeitskräfte-Fluktuation in sich industrialisierenden Ländern Westafrikas an.