Transnationales Seminar Kulturtransfer
Netzwerkdenken im Wandel
Stephan Packard (Universität zu Köln) &
Elisabeth Cheauré (Universität Freiburg):
"Networks in Cultural Transfer: New Research Perspectives"
Christoph Streb (Deutsches Historisches Institut Paris):
"„Netzwerk“ zwischen historischem Deutungsmuster
und geschichtswissenschaftlicher Analysekategorie"
Networks in Cultural Transfer: New Research Perspectives
Stephan Packard (Universität zu Köln) & Elisabeth Cheauré (Universität Freiburg)
Cultural contacts and cultural transfer are always conveyed through networks: They depend on relationships between individual intermediary figures and mediating institutions, on channels and conventions for trade, transport, and communication, on travelling objects and nomadic media, and on the implicit protocols governing each of the individual communications and co-operations involved. Innovative research on networks emerging from a number of disciplines over the last two decades offers new opportunities for the engagement with cultural transfer in the humanities. This talk will present some of these approaches for discussion, drawing on debates in the graduate programme ‘Cultural Transfer’ at Freiburg University (and previously also collaborating with Moscow and Petersburg) and moving from qualitative network research through insights from quantitative models to conceptual questions arising from systems, actor-network and actor-media theory.
„Netzwerk“ zwischen historischem Deutungsmuster und geschichtswissenschaftlicher Analysekategorie
Christoph Streb (Deutsches Historisches Institut Paris)
Das Wort „Netzwerk“ ist heute nicht nur in der Alltagssprache, sondern auch in der Sprache der Geschichtswissenschaft omnipräsent. In den letzten Jahren werden aber auch Stimmen laut, die wie David Bell den „overuse“ der Netzwerk-Metaphorik kritisieren. Dabei wird oft die Vagheit des Netzwerk-Begriffs kritisiert, vage bleibt ironischerweise allerdings auch, wo genau die Probleme liegen und wie diese zu beheben wären. Um mit dem Netzwerk-Begriff einen Schritt weiterzukommen, mobilisiert dieser Vortrag die hauseigenen Mittel der Geschichtswissenschaft und wirft zunächst einen historischen Blick auf die Geschichte des Netzwerk-Begriffs. Der erste Teil gibt auf Grundlage des Forschungsstandes und meines eigenen Forschungsprojekts einen Überblick über die historische Entwicklung des Netzwerk-Denkens seit dem 19. Jahrhundert. Dabei steht einerseits die Varianz im Vordergrund und es wird etwa zwischen der Infrastruktur-Ideologie des 19. Jahrhundert, den Anfängen der Netzwerk-Analyse im frühen 20. Jahrhundert oder der Interdependenz-Diagnostik der 1970er Jahre zu unterscheiden sein. Andererseits wird trotzdem der Versuch unternommen, allgemeinere Eigenschaften des Netzwerk-Denkens seit dem 19. Jahrhundert überspitzt herauszustellen. Der zweite Teil des Vortrags schließt an diese Historisierung an und fragt, ob sich aus der Geschichte des Netzwerk-Denkens Implikationen dafür ergeben (sollten), wie die historisch denkenden Wissenschaften über Netzwerke und Vernetzungsprozesse in der Vergangenheit und der Gegenwart nachdenken.