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Zum Verhältnis von Kategorien und Wahrnehmung bei Antisemitismus und Rassismus

Die 13. Blickwinkel-Tagung findet am 20. und 21. Juni 2022 in Leipzig statt.

Viele Konflikte handeln derzeit davon, wann eine Aussage oder Handlung als rassistisch oder antisemitisch zu bewerten ist. Manchen geht das zu weit, anderen noch nicht weit genug. Begriffe, Kategorien und Definitionen bieten Deutungsmuster fürs Erleben an, das wiederum die Begriffe prägt. Und beide – Begriff und Erleben – sind nicht endgültig fixiert, sondern potenziell veränderbar und kontingent. Diese Gemengelage lässt sich auch bei Antisemitismus und Rassismus beobachten. Die Zunahme von Debatten in Wissenschaft und politischer Öffentlichkeit, in der pädagogischen Bildung und in den Alltagswelten, die über Formen und Phänomene des Rassismus und Antisemitismus geführt werden, erzeugt vermeintlich präzisere Begriffe, immer wieder aber auch Unsicherheit und Unbehagen. Zudem ist kein Begriff davor gefeit, kritisiert, umgedeutet oder in anderen Kontexten verwendet zu werden. Die Debatte um die Antisemitismus-Definitionen von IHRA und JDA ist dafür ein Beispiel aus jüngerer Zeit. Begriffe und ihre Verwendungszusammenhänge changieren zwischen Verharmlosung und Empörung, Vorwurf und Zurückweisung, Relativierung und Übertreibung, Objektivierungsanspruch und subjektiver Betroffenheit.

2022 tritt die BLICKWINKEL-Tagung einen Schritt zurück – und wendet sich den Begriffen und ihren Entstehungsgeschichten zu. Dabei werden diese ins Verhältnis zu Erscheinungsformen, zum subjektiven Erleben und zur kontextabhängigen Verarbeitung gestellt. Wie kann das subjektive Erleben eines Ereignisses ernst genommen werden, ohne dass damit die kritische Nachfrage oder Systematisierung unmöglich wird? Wie viel begriffliche Präzision und Differenzierung ist in unterschiedlichen Zusammenhängen möglich und nötig? Wie lässt sich verhindern, dass der theoretische Diskurs selbst wieder an sozialen Ausschlüssen mitwirkt, die er eigentlich zu vermeiden versucht? Welche Begriffe, Konzepte, Definitionen und damit Vorstellungswelten von Antisemitismus und Rassismus gab und gibt es, welche Geschichte(n) tragen sie mit sich?

Die Blickwinkel-Tagung wird von der Bildungsstätte Anne Frank in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung, der Stiftung EVZ - Erinnerung Verantwortung Zukunft, dem Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin und dem Else-Frenkel-Brunswick Institut ausgerichtet.

Programm

Eine Anmeldung zur 13. Blickwinkel-Tagung ist über den folgenden Link möglich:

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