Die RA 1 untersucht, wie sich Verflechtung und Entkopplung von Akteuren, Institutionen und räumlichen Phänomenen unter Globalisierungsbedingungen wandel(te)n, wie diese Prozesse Raumformate hervorbringen und zu Raumordnungen integrieren und damit die neuere Globalgeschichte als andauernde Dialektik von De- und Reterritorialisierungen verstanden werden kann.

Die Fallstudien der Research Area erfassen sowohl kurzfristige Erschütterungen geopolitischer Ordnungen als auch langfristige Stabilisierungen grundlegender Machtasymmetrien seit dem 18. Jahrhundert und spiegeln Veränderungsprozesse in und zwischen den Weltregionen wider.

Zugleich beobachtet die RA 1 die Krise des internationalen Prinzips des Multilateralismus in der zweiten Hälfte des 20. Jh., das durch unilaterale Großmachtstrategien und politische Populismen systematisch unterminiert wird. Die Bildung transregionaler Allianzen zwischen Staaten, Regionen, Netzwerken, Unternehmen oder Gemeinden wird dabei als politischer Transregionalismus konzeptualisiert.

Ein besonderes Augenmerk gilt übergreifend der Untersuchung von Raumsemantiken, die kollektive Wahrnehmungen initiieren, steuern und kanalisieren und somit intersubjektiv verhandelbar machen. Sie werden regionen- und damit auch sprach- und kulturübergreifend mit Tools der Digital Humanities vergleichend untersucht und geben Hinweise auf die jeweils historisch spezifische spatial literacy, d.h. die Fähigkeit, widersprüchliche Phänomene wie Entgrenzungen, Einhegungen und Vernetzungen angemessen zu verstehen und darauf praktische Antworten zu finden.